Sterbende begleiten – Wunsch und Wirklichkeit

Sa, 18.06.2016

Fachtag 2016

Der Hospizdienst Rottenburg hatte ins Evangelische Gemeindezentrum in die Kirchgasse eingeladen. Eingeladen zum 6. Hospiztag für ehrenamtliche MitarbeiterInnen der Hospizdienste im Landkreis Tübingen. 75 HospizlerInnen waren gekommen aus Gomaringen, Mössingen, Ammerbuch, Tübingen und natürlich aus Rottenburg selbst. Der Rottenburger Hospizdienst wird in diesem Jahr 20 Jahre alt. Ein besonderer Grund um Innezuhalten, zurückzublicken und sich zu besinnen.

Musikalisch begrüßt wurden die TeilnehmerInnen von Franz Rude aus Wendelsheim am Klavier, virtuos begleitet von seinen Kindern mit Cello und Violine.

Eine der 3 Vorstandsfrauen des Rottenburger Hopizdienstes Marlene Saile-Seurig begrüßte die Gäste zu dem weitgespannten Thema. „Sterbegleitung durch HospizmitarbeiterInnen – Wunsch und Wirklichkeit." Ehrenamtliche, die auf dem letzten Lebensabschnitt mit besonderer Fürsorge und Zuwendung dem Sterbenden begegnen und ihn gut begleiten möchten.

Herr Oberbürgermeister Stefan Neher erwähnte in seinem Grußwort die Diskrepanz zwischen der Anzahl der Toten, die uns in den Medien täglich begegnen in Wort und Bild , an die wir uns schon fast gewöhnt haben und dem sterbenden Menschen, der uns nahe ist, uns verunsichert , in uns Berührungsängste auslöst. Eine Stadt ist nur lebenswert, wenn sie auch mit ihren alten, kranken und sterbenden Menschen gut umgeht, so Neher.

„Eine Gesellschaft ist nur dann eine gute, wenn sie gutes Sterben ermöglicht.” Diesen Satz stellte Herr Prof. Dr. med. Maio vom Lehrstuhl Medizinethik in Freiburg an den Anfang seines Vortrages zum Thema dieses Hospiztages.

Er stellte in 7 Punkten seine Ethik der Sorge in den Mittelpunkt:

Sorge um einen Menschen bedeutet Wechselseitigkeit, getragen von einer Grundhaltung in Rücksicht und Güte. Der Mensch, für den ich sorge, ist immer noch „ganz“ in und trotz seiner Schwachheit. Der Sorgende erlebt sich als ebenbürtig, auch er ist sterblich.

Der Redner machte Mut, Gedeihenlassen als Wert anzuerkennen. Sorge ist das Gegenteil von Aktionismus. Neu denken, gegen den Alltag denken. Mit Feinsinn, Fingerspitzengefühl und Geduld klar denken, warmfühlen, ruhig handeln. Prof. Maio warb für eine Kultur des Zuhörens, die weitgehend verloren gegangen ist. Ihm war es gelungen, sein Anliegen hörbar und überaus verstehbar zu vermitteln, seine „Sorge” ist angekommen.

Am Nachmittag vertieften die TeilnehmerInnen in Workshops das Thema aus Sicht der Pflegeheime, ambulanten Dienste, Seelsorge, der Sozialarbeit und dem stationären Bereich.

Hierzu waren VertreterInnen aus den jeweiligen Bereichen eingeladen.

Der angekündigte Überraschungsgast war die Clownin Irina Zwetschge, die nicht nur in Rottenburger Pflegeheimen die Sehnsucht nach Gemeinschaft stillen hilft. Sie hat den Hospizfachtag mit einem bunten Tupfer versehen.

Finanziell unterstützt wurde der Tag von der Veronikastiftung und dem Landkreis.

Heide Mattheis